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Pferdemomente für Senioren und Hochbetagte

Für Begegnungen mit Pferden gibt es kein Alter

Pferdebetriebe werden sich in Zukunft neue Kundengruppen erschließen müssen, wenn sie langfristig handlungsfähig bleiben wollen. Viele der Herausforderungen, über die ich in den vergangenen Monaten geschrieben und gesprochen habe, holen die Pferdewelt nach und nach ein.

Vielleicht müssen wir deshalb an manchen Stellen neu darüber nachdenken, was wir mit unseren Pferden eigentlich anbieten können.

Nicht immer muss es ums Reiten gehen.

Unser ganzheitliches Konzept der Erlebnisreitpädagogik hat schon immer sehr unterschiedliche und auf die jeweiligen Menschen zugeschnittene Programme beinhaltet. Eine Zielgruppe liegt mir dabei besonders am Herzen: Senioren und hochbetagte Menschen.

Menschen, die vielleicht eine Tagespflege besuchen, in einer Senioreneinrichtung leben oder aufgrund ihrer Mobilität kaum noch Gelegenheit haben, Tieren zu begegnen.

Wenn plötzlich wieder ganz viel möglich wird

Aus meiner eigenen Zeit als Betreuungskraft in einer Tagespflege weiß ich, wie wundervoll Begegnungen mit Ponys und Pferden sein können.

Da ist zum Beispiel die sehbehinderte Klientin.

Sie sieht das Pferd vielleicht kaum – aber sie kann sein weiches Fell fühlen. Sie streicht über den warmen Pferdehals. Sie spürt den Atem des Ponys, das vorsichtig in ihre Hände pustet.

Für einen Moment braucht es nicht viel mehr.

Eine andere Klientin sitzt im Rollstuhl. Das Pony folgt ihr und lässt sich von ihr führen.

Plötzlich ist sie nicht mehr nur diejenige, die geschoben, begleitet und unterstützt wird.

Jetzt folgt jemand ihr.

Sie gibt die Richtung vor.

Und da sind auf einmal Stolz, Selbstwirksamkeit und schlichte Freude. Vielleicht sogar die Motivation, sich selbst wieder ein kleines Stück mehr zu bewegen.

Pferde öffnen Türen zu Erinnerungen

Besonders berührend sind die Geschichten, die durch solche Begegnungen plötzlich wieder auftauchen.

Ein älterer Mann darf ein Pferd putzen.

Dabei erinnert er sich an sein eigenes Pferd während des Krieges. Er wurde verletzt und von seinem Pferd getrennt. Bis heute beschäftigt ihn die Frage, was wohl aus diesem Tier geworden ist.

So viele Jahrzehnte später sind die Sorge und die Verbundenheit noch immer spürbar.

Ein anderer Mann erzählt, dass ihm amerikanische Soldaten ein Gespann Kutschpferde überlassen hätten. Mit diesen Pferden habe er als junger Mann sein erstes eigenes Gewerbe begonnen.

Andere erinnern sich an Arbeitspferde in der Landwirtschaft, an Fuhrwerke, an das Füttern und Putzen oder an Pferde, die früher selbstverständlich zum Alltag gehörten.

Und plötzlich ist Gesprächsstoff da.

Gerade auch bei Menschen mit Demenz können solche Erinnerungen wertvolle Momente der Kommunikation ermöglichen.

Ein Pferd fragt nicht nach dem Geburtsjahr. Es möchte nicht wissen, welche Diagnose jemand hat oder wie schnell ein Mensch noch laufen kann.

Es ist einfach da.

Aber ein Seniorenangebot braucht gute Vorbereitung

So schön diese Begegnungen sein können: Ein professionelles Angebot für Senioren und hochbetagte Menschen lässt sich nicht einfach nebenbei organisieren.

Die Anforderungen an Sicherheit, Pferdeauswahl, Umgebung und Betreuung sind hoch.

Schon bei der Planung müssen deshalb einige wichtige Fragen beantwortet werden:

  • Wo soll die Begegnung mit den Pferden stattfinden?
  • Ist der Bereich auch mit Rollstuhl oder Rollator gut erreichbar?
  • Welche Pferde oder Ponys eignen sich wirklich?
  • Kennen die Tiere Rollatoren, Gehstöcke und Rollstühle?
  • Können sie ruhig mit ungewohnten oder unkoordinierten Bewegungen umgehen?
  • Gibt es Möglichkeiten zum Sitzen und Ausruhen?
  • Wie weit sind die Wege?
  • Gibt es barrierefreie bzw. geeignete Sanitärbereiche?
  • Welche Unterstützung bringen die Einrichtungen mit?
  • Welche körperlichen oder kognitiven Einschränkungen müssen berücksichtigt werden?
  • Welche Wünsche – aber auch welche Ängste – haben die Teilnehmer?

Ihr merkt schon: An manchen Stellen ist hier beinahe eine Ausbildung gefragt, wie wir sie von Therapie- oder speziell vorbereiteten Besuchspferden kennen.

Mindestens braucht es aber sehr ruhige, zuverlässige und gut ausgebildete Freizeit- oder Schulpferde, die mit ungewöhnlichen Situationen souverän umgehen können.

Und natürlich Menschen, die ihre Pferde sehr gut kennen und Situationen frühzeitig einschätzen können.

Erst sprechen – dann planen

Bevor ein solches Angebot startet, würde ich deshalb immer ausführlich mit der jeweiligen Einrichtung sprechen.

Was wünscht sie sich?

Wer nimmt teil?

Welche Einschränkungen gibt es?

Gibt es Ängste vor großen Pferden?

Wie viele Betreuungspersonen kommen mit?

Welche Unterstützung benötigen einzelne Teilnehmer?

Besonders hilfreich ist es natürlich, wenn unter den begleitenden Pflege- oder Betreuungskräften oder den Angehörigen Menschen mit Pferdeerfahrung sind. Das kann die Planung und Durchführung erheblich erleichtern.

Und vielleicht entsteht daraus noch etwas ganz anderes …

Denn bei diesen Angeboten passiert noch etwas Interessantes.

Die Angehörigen, Pflegekräfte und Betreuungskräfte erleben die Pferde ebenfalls.

Sie beobachten vielleicht, wie ein sonst sehr stiller Mensch plötzlich erzählt.

Wie jemand lächelt.

Wie eine Hand über ein weiches Ponyfell streicht.

Wie Ruhe entsteht.

Und vielleicht denkt irgendwann eine der Begleitpersonen:

„Eigentlich würde mir so ein Pferdemoment auch guttun.“

Drei Stunden raus aus dem Alltag.

Kein Leistungsdruck.

Kein Reiten müssen.

Vielleicht putzen, führen, spazieren gehen, beobachten oder einfach eine Weile neben einem Pferd stehen.

Und damit wären wir bereits bei einer weiteren spannenden Zielgruppe für unsere „Pferdemomente“.

Aber das wird das nächste Thema – hier im Blog und im Video.

Workbook „Pferdemomente für Senioren“

Für alle Pferdebetriebe, Trainer und Anbieter, die sich mit einem solchen Angebot beschäftigen möchten, habe ich außerdem ein Workbook zum Thema „Pferdemomente für Senioren“ entwickelt.

Es soll dabei helfen, aus einer schönen Idee ein gut durchdachtes Angebot zu machen.

Darin geht es unter anderem um die Planung der Begegnungen, geeignete Pferde, Sicherheitsfragen, die Zusammenarbeit mit Einrichtungen, räumliche Voraussetzungen und wichtige Fragen, die vor dem ersten Termin geklärt werden sollten.

Außerdem enthält es Ideen für mögliche Pferdemomente und Anregungen, wie ihr ein solches Angebot nach außen kommunizieren und in euren Social-Media-Kanälen vorstellen könnt.

Denn vielleicht liegt ein Teil der Zukunft unserer Pferdebetriebe genau dort:

Nicht immer mehr mit Pferden zu machen – sondern mehr Menschen die Möglichkeit zu geben, Pferde überhaupt wieder zu erleben.

Für Begegnungen mit Pferden gibt es kein Alter.

Schreibt mir gerne mal in die Kommentare, ob Ihr eigene Erfahrungen in diesem Bereich habt?

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