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Hitzestress und Kinderlachen

Es war ein bisschen ruhig hier in den letzten Tagen. Ich hatte viel zu tun und war auch im Hitzestress…

Trotz abenteuerlicher 30 Grad hatten 8 Kinder der Pferde-Projekttage wirklich viel Spaß bei uns am Hof. Und davon möchte ich Euch heute einmal erzählen. Es hat sich nämlich wieder einmal herausgestellt, das Kinder und sehr oft auch Erwachsene keine Idee davon haben, was alles an so einem „Ponyhof“ dran hängt.

Mein Tag beginnt im Moment immer schon um spätestens halb 7 im Stall. Dann geht gerade die Sonne hinter unseren Bergen auf und es ist noch einigermaßen kühl. Die Ponys warten schon darauf, das sie auf die Wiese dürfen. Montag Morgen spielten auch gerade 2 kleine Fuchswelpen auf der Wiese. Manchmal kommen einige Hirschkühe und ihre diesjährigen Kälber vorbei und ich liebe diese Idylle und die Ruhe am frühen Morgen sehr.

Kaum sind die Ponys unterwegs, kümmere ich mich als erstes um den Brei vom alten Mann. Normalerweise weichen wir die Futterportionen immer am Abend vorher ein, bei der Hitze funktioniert dies aber nicht. Das Futter wird dann buchstäblich supersauer 🙂

So kann das Frühstück schon mal einweichen.

Dann werden die Boxen aller Pferde für das spätere Reinlassen vorbereitet. Ich hänge Heusäcke rein und stelle, wo gewünscht, auch das Kraftfutter. Die Ponys wissen natürlich, das sie etwas Leckeres bekommen. So kann ich sie später viel leichter überreden in den Stall zu kommen. Ein seit vielen Jahren bewährtes System, welches mir das alleinige Händling auch größerer Gruppen vereinfacht. Ist das erledigt, stopfe ich die Heusäcke des alten Mannes und bereite die Futterportionen für den aktuellen Tag vor. Spätestens jetzt kommt der Bursche wieder angelaufen und fordert seinen Frühstücksservice ein. Ihr habt es neulich in einem short bei youtube gesehen. Er kann da schon sehr ungeduldig und deutlich werden.

Übrigens kommt ihr über den grünen Button oben rechts direkt auf meinen Kanal, falls Ihr mal reinschauen wollt. Ich freue mich auch immer über Abos, Likes und Kommentare.

Während der alte Mann sein Frühstück genießt, miste ich die anstehenden Boxen, fege und bereite alles für den Tag vor. So auch die Sitzgruppe für die Kids. Mir ist es wichtig, das alles fertig ist, bevor die Kinder kommen. Gerade am ersten Tag sind sie nämlich immer super nervös und gespannt, was sie erwartet. Und da ist gleich eine Home-Base, wo sie sich erst einmal zur Begrüßung treffen und ihre Sachen deponieren können ganz wichtig. Das gibt direkt ein bisschen Struktur und Sicherheit

Mittlerweile ist es deutlich wärmer geworden und auch die Stechfliegen sind leider aufgewacht. Es ist kurz vor 9.00 Uhr und die ersten Pferde sind am Heimweg. Ich sammle sie zwischendurch schon einmal ein und dann kommen auch schon die aufgeregten Kids um die Ecke. Und jetzt kommt das erste Schauspiel des Tages. Nach den restlichen Ponys brauche ich nämlich nur mit meinem Spezialpfiff zu pfeifen und dann kommen sie angaloppiert. Auch Klein-Arni, unser Shetty, der richtig „Arnold Schwarzenegger“ heißt und mindestens soviel Selbstbewußtsein hat.

Wenn alle Ponys da sind, wo sie hingehören gibt es eine Begrüßungsrunde mit den betreuenden Lehrkräften und mir. Ich versuche die Kids ein bisschen einzuschätzen und herauszufinden, was sie schon wissen und ob sie schon mal mit Pferden unterwegs waren. Manchmal gibt es dann auch eine Stallbegehung und sie können die Ponys kennen lernen. Das bricht schon mal ein bisschen das Eis und nimmt erste Ängste. Dabei kommen dann auch Fragen nach den Namen der Tiere, ihrem Alter, der Größe und tatsächlich bei unserem schweren Warmblut Luca auch nach dem Gewicht auf.

Montag wurden die Kids in 2 Gruppen eingeteilt und eine Gruppe sollte die Stallarbeit erledigen, während die andere Gruppe schon einmal die Ponys putzen durfte. Dabei fielen mehrere Dinge auf. Zunächst gab es einen Jungen, der sich sehr schwer damit tat das Pony anzufassen und zu putzen. Viel Überredungskunst der erfahrenen Lehrkraft war nötig, bis er sich getraut hat. Und genau dieser Junge sagte bei der Abschlußrunde, er wäre ganz glücklich, das er soviel Mut gefasst hätte und das Pony nicht nur geputzt, sondern später auch ganz alleine und sogar im Trab geführt hätte. Und genau dafür machen wir solche Angebote. Nichts ist besser für das Selbstbewußtsein, als sich zu überwinden und seinen Mut zu finden. Raus aus der Komfortzone und rein in neue Erlebnisse.

Und keine Frage, wir Erwachsenen tragen dabei eine große Verantwortung! und stehen somit auch ein Stück weit unter Dauerstrom, wie eine der Lehrkräfte nach dem 2. Tag anmerkte. Das geht übrigens allen TrainerInnen so. Und macht etwas mit uns. Doch dazu ein andermal mehr. Aber wenn ihr eigene Erfahrungen zu diesem Thema habt, dann schreibt es gerne in die Kommentare.

Ein zweites Kind, ein relativ kleines und zierliches Mädchen hatte viel Spaß bei der Stallarbeit und wollte am nächsten Tag sogar lieber den Stall ausmisten als die Ponys zu putzen. Was ich bemerkenswert fand, denn die anderen Mädels empfanden die Stallarbeit „ekelig“ und als „notwendiges Übel“. So kenn ich das von den leider sehr stadt- und handygeprägten Kindern. Sie fragten, ob wir das jeden Tag machen müssten und warum wir das machten?? Natürlich habe ich das erklärt und auch das es u.a. wichtig für die Gesundheit der Tiere ist. Wir haben auch mit beiden Kindergruppen über Gras, Heu und Stroh gesprochen. Es stellte sich heraus, das sie mit diesen Begriffen alle nichts anfangen konnten. Da eine unserer Flächen gerade gemäht wurde, konnten wir dies nutzen auch mal am frischen Heu zu riechen.. für mich persönlich der ultimative Geruch nach Sommer! Und auch dafür machen wir solche Angebote immer wieder. Einfache Erfahrungen zum Thema Landleben und Landwirtschaft wecken zumindest ein kleines Verständnis für unsere tägliche Arbeit, oder was meint ihr?

Ähnlich wie bei den Pferde-AG Angeboten steht dann das Thema Führen und Folgen an. Hier üben wir zunächst „trocken“ die Handhabung des Stricks und der Führpositionen. Das sorgt natürlich für viel Gelächter. Dann geht es mit den Ponys in die große Halle, wo wir einen kleinen Parcours aufbauen und die Kids zunächst zu zweit die Ponys durchführen dürfen. hierbei müssen sie sich miteinander über Richtung und Geschwindigkeit einigen. Man glaubt gar nicht, wie schwer es manchen fällt analog miteinander zu kommunizieren!

Nach einer Weile trauen sie sich auch ein Pony alleine zu führen und sogar im Trab. Montag haben wir dann noch eine kleine meditative Abschlußrunde eingelegt. Wegen der Hitze waren nämlich Ponys und Kinder ganz schön müde.

Der Dienstag bot dann noch mal neue Erfahrungen. Diesmal durfte wer wollte einmal aufsteigen. Die Ponys und der große Luca waren dafür mit Gurten und Pads ausgerüstet. Und es war so schön zu sehen, wie aus den zunächst sehr skeptischen Kindern mit jeder Runde immer mutigere ReiterInnen  wurden.

Und dann gab es zum Abschluss  ein spannendes Erlebnis zum Thema Pferdeverhalten. Alle Ponys durften frei in der Halle laufen, nutzten dies auch zum ausgiebigen Wälzen und dann fingen Joker und Luca das spielerische „Kämpfen“ an. So richtig mit Imponiergehabe und Steigen. Ihr könnt Euch vorstellen wie die Kinder bei diesem Kraftbeweis geschaut haben. So gingen 2 ereignisreiche Tage zu Ende und die Kinder haben mit Sicherheit jede Menge neue Erfahrungen für sich mit genommen. O-Ton eines der Mädels: „Ich habe jetzt 200 Fotos und Videos und würde am Liebsten noch viel mehr Reiten!!“ Das macht Mut und gibt Motivation trotz aller Widrigkeiten immer weiter zu machen. Einen Sponsor für die Pferde – AG im nächsten Schuljahr gibt es auch schon. Danke dafür!

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