Zum Inhalt springen

Was ist eigentlich mit unserer Pferdewelt los?

Wilde Woche im Pferdebetrieb

Diese Woche war bei uns auf dem Hof einiges los. Es gab wunderschöne Momente, aber auch Begegnungen, die mich nachdenklich gemacht haben. Deshalb möchte ich heute einfach einmal ein paar Gedanken mit Euch teilen.

Den Anfang machte unsere letzte Stunde mit der Pferde-AG. Wie jedes Jahr flossen zum Abschied ein paar Tränen, Kinder umarmten ihre Lieblingspferde und man konnte spüren, wie viel ihnen diese gemeinsame Zeit bedeutet hat.

Genau solche Momente zeigen mir immer wieder, warum wir Kindern den Kontakt zu Pferden ermöglichen müssen. Pferde vermitteln weit mehr als Reiten. Sie lehren Geduld, Verantwortung, Einfühlungsvermögen, Rücksicht und Respekt – Werte, die heute vielleicht wichtiger sind denn je.

Doch in derselben Woche gab es auch Erlebnisse, die mich ins Grübeln gebracht haben.

Wertschätzung – ein schwieriges Thema

Eine langjährige Einstellerin erfuhr, welche Vergütung ich als Trainer B und Verantwortliche für die Pferde-AG erhalten habe. Ihre spontane Reaktion war weniger Freude oder Anerkennung, sondern die Bemerkung, das sei „ganz schön viel Geld“.

Das hat mich überrascht.

Immer wieder sehe ich Beiträge und Reels, in denen gefordert wird, Trainer, Ausbilder und Anlagenbetreiber endlich angemessen zu bezahlen und ihre Arbeit wertzuschätzen. Gleichzeitig erlebe ich im Alltag oft das Gegenteil.

Vielleicht wissen viele Menschen gar nicht, was hinter einem Pferdebetrieb tatsächlich steckt.

Ein Reitbetrieb besteht nicht nur aus Unterricht.

Dazu gehören Verantwortung für Mensch und Tier, Organisation, Instandhaltung der Anlage, Büroarbeit, Versicherungen, Futter, Reparaturen, Ausbildung, Fortbildungen und unzählige Stunden Arbeit – oft weit über das hinaus, was von außen sichtbar ist.

Viele starten mit dem Traum, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Doch nicht wenige stellen irgendwann fest, wie anspruchsvoll dieser Weg tatsächlich ist.

Ich erinnere mich noch gut an eine junge Frau, die ich während meiner Trainer-C-Ausbildung kennenlernte. Sie absolvierte damals gerade ihre Ausbildung zur Pferdewirtin. Schon damals sagte sie, dass sie nach ihrer Ausbildung vermutlich ganz aus dem Pferdebereich aussteigen würde.

Damals konnte ich das kaum verstehen.

Heute verstehe ich sie sehr gut.

Wie gehen wir eigentlich miteinander um?

Ein weiteres Gespräch in dieser Woche hat mich ebenfalls beschäftigt.

Eine junge Pferdebesitzerin erzählte mir von ihrem Stall. Dort herrsche inzwischen ein schlechtes Klima. Aus Kleinigkeiten würden große Konflikte entstehen, auf der Stallgasse werde viel übereinander gesprochen und die Stimmung belaste inzwischen viele.

Sie überlegt sogar, entweder einen eigenen kleinen Stall aufzubauen oder ihr Hobby ganz aufzugeben.

Ehrlich gesagt macht mich so etwas traurig.

Denn zwischen dieser jungen Frau und der Pferdewirtin aus meiner Erinnerung liegen fast drei Jahrzehnte – und trotzdem ähneln sich ihre Erfahrungen erstaunlich.

Wenn Kommunikation schwierig wird

Auch mit einer Gasttrainerin gab es diese Woche eine Situation, die mich nachdenklich gemacht hat.

Ich stelle meine Anlage Gasttrainern grundsätzlich gerne zur Verfügung, wenn alles offen und fair abgesprochen wird. Voraussetzung ist allerdings, dass Termine eingehalten oder Änderungen vorher miteinander abgestimmt werden.

Leider wurde genau diese Absprache mehrfach nicht eingehalten.

Als ich freundlich darum bat, zukünftige Terminänderungen vorher mit mir abzusprechen, reagierte die Trainerin ungehalten und veröffentlichte unseren Chatverlauf in ihrer Schülergruppe.

Das empfand ich als wenig respektvoll.

Für mich gehört zu einer guten Zusammenarbeit vor allem eins: miteinander sprechen – nicht übereinander.

Natürlich wird diese Situation Konsequenzen haben. Gleichzeitig frage ich mich, ob wir uns im Pferdebereich manchmal wieder stärker auf gegenseitige Wertschätzung besinnen sollten.

Was können Pferde uns eigentlich lehren?

Pferde leben uns vieles vor.

Klare Kommunikation.

Ehrlichkeit.

Grenzen setzen.

Respekt.

Vertrauen.

Vielleicht sollten wir Menschen uns gerade im Stall häufiger daran orientieren.

Denn letztlich verbringen wir alle unsere Freizeit mit demselben Ziel: Wir lieben Pferde.

Umso bedauerlicher ist es, wenn Neid, Missverständnisse oder mangelnde Wertschätzung diese gemeinsame Leidenschaft überschatten.

Ein paar Fragen, die ich mir stelle

Ich habe keine fertigen Antworten.

Aber ich frage mich:

  • Warum fällt es uns manchmal so schwer, die Arbeit anderer anzuerkennen?
  • Warum entstehen aus Kleinigkeiten so häufig große Konflikte?
  • Haben sich unsere Erwartungen verändert?
  • Verlernen wir vielleicht immer mehr, respektvoll miteinander zu kommunizieren?
  • Und was können wir tun, damit unsere Ställe wieder Orte werden, an denen sich Menschen genauso wohlfühlen wie ihre Pferde?

Mich interessiert Eure Sicht auf dieses Thema.

Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht?

Erlebt Ihr auf Euren Höfen gegenseitige Unterstützung oder eher Konkurrenz?

Was wünscht Ihr Euch für das Miteinander im Pferdesport?

Ich freue mich auf einen offenen, respektvollen Austausch. Denn nur wenn wir miteinander reden – und nicht übereinander –, können wir gemeinsam etwas verändern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert