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Alles wird immer teurer – hat der Pferdesport noch eine Zukunft ?!

Diese Frage begegnet uns momentan überall. Steigende Tierarztkosten, höhere Stallmieten, teures Futter, hohe Energiepreise – viele fragen sich, ob Pferdehaltung künftig überhaupt noch bezahlbar sein wird.

Ich glaube fest daran, dass der Pferdesport eine Zukunft hat.

Aber ich glaube genauso fest daran, dass wir als Gesellschaft und besonders wir Pferdemenschen einiges verändern müssen.

Seit über 40 Jahren begleiten Pferde mein Leben. Vor rund 30 Jahren habe ich meinen eigenen Betrieb gegründet. In dieser Zeit habe ich viele Entwicklungen erlebt – manche waren großartig, andere machen mir Sorgen.

Ich bin im klassischen Sportstall und Reitverein groß geworden und habe später bewusst einen anderen Weg gewählt. Daraus entstand mein Konzept einer ganzheitlichen Erlebnisreitpädagogik. Im Mittelpunkt standen für mich immer dieselben Werte: ein respektvolles Miteinander von Mensch und Pferd, eine bedürfnisorientierte Haltung, möglichst viel Natur und der Blick auf das Pferd als Ganzes – mit Körper und Psyche.

Und genau deshalb glaube ich, dass die Lösung nicht allein in günstigeren Preisen liegt.

Umdenken – Teil 1: Gemeinschaft statt Einzelkämpfer

Ja, die Tierarztkosten sind gestiegen. Auch Haltung und Versorgung werden immer teurer.

Aber auch früher konnte sich längst nicht jeder ein eigenes Pferd leisten.

Damals gab es kreative Lösungen. Privatpferde wurden für den Unterricht zur Verfügung gestellt. Talentierte Jugendliche durften mit auf Turniere fahren. Alt und Jung halfen sich gegenseitig. Ehrenamt, Sponsoren und Vereinskultur sorgten dafür, dass viele Kinder überhaupt Zugang zu Pferden bekamen. Heute scheint sich dieses Miteinander vielerorts aufzulösen.

Dabei verlieren wir weit mehr als nur Vereinsmitglieder. Wir verlieren Orte, an denen junge Menschen Verantwortung übernehmen, Rücksicht lernen, Konflikte lösen und erleben, was echtes Teamwork bedeutet.

Erst vor wenigen Tagen habe ich ein Seminar im Bereich der Betreuung von Menschen mit Handicap gegeben. Auch dort entstand dieselbe Diskussion: Das selbstverständliche soziale Miteinander geht vielerorts verloren.

Pferde können uns genau diese Werte vermitteln wie kaum ein anderes Haustier. Vielleicht liegt genau darin die größte Chance des Pferdesports.

Wenn Vereine und Betriebe wieder Orte werden, an denen Werte, Verantwortung und Gemeinschaft gelebt werden – und zwar wirtschaftlich tragbar für alle –, dann wächst auch wieder eine Generation heran, die sich engagieren möchte.

Dazu gehört allerdings auch Elternarbeit. Aufklärung und Selbsterfahrungen finde ich hier ganz wichtig.

Denn Kinder lernen Verantwortung nicht allein durch den Umgang mit Pferden, sondern vor allem durch die Vorbilder, die sie erleben.


Umdenken – Teil 2: Weniger Konsum, mehr Qualität

Immer wieder höre ich, wie teuer alles geworden ist.

Gleichzeitig sehe ich wie die vierundzwanzigste Schabracke, das sechste Zusatzfutter und die zehnte Regendecke gekauft werden.

Ich frage deshalb ganz bewusst: Brauchen wir das wirklich?

Unsere Gesellschaft definiert sich oft über Konsum. Leider macht diese Entwicklung auch vor der Pferdewelt nicht Halt.Dabei wäre es doch viel schöner, wenn unser Ansehen auf der Stallgasse nicht davon abhinge, welche Marke unser Halfter trägt, sondern wie fair, sachlich und verantwortungsvoll wir mit unserem Pferd umgehen.

Wie viel Geld bliebe übrig für guten Unterricht, sinnvolle Seminare, einen passenden Sattel oder eine hochwertige Gesundheitsvorsorge?

Diese Frage darf sich jeder von uns einmal ehrlich stellen.


Umdenken – Teil 3: Wissen statt ständiger Reparaturen

An dieser Stelle kommt auch meine Leidenschaft für die Naturheilkunde ins Spiel. Ich arbeite übrigens gerade an einem Buch über altes Wissen rund ums Pferd. Mich würde interessieren, ob euch dieses Thema anspricht. Ihr könnt es mir gerne einmal in die Kommentare schreiben.

Für mich gibt es zwei Leitsätze, die heute aktueller sind denn je.

„Erst das Pferd – dann der Reiter.“

Dieser Satz erinnert uns daran, dass das Wohl des Pferdes immer wichtiger sein sollte als unser eigenes Ego.

Der zweite lautet:

„Gutes Reiten reicht.“

Natürlich ist dieser Satz etwas provokant. Aber er enthält einen wahren Kern. Je besser ein Pferd geritten wird, desto weniger entstehen viele der Probleme, die später aufwendig behandelt werden müssen.

Das bedeutet nicht, dass Physiotherapeuten oder Osteopathen überflüssig wären.

Es bedeutet vielmehr, dass gute Ausbildung, ein passender Sattel, pferdegerechtes Training und lebenslanges Lernen oftmals die beste Gesundheitsvorsorge sind. Reiten lernen endet nie. Jedes Pferd mit seinen ganz individuellen Gegebenheiten stellt uns wieder vor neue Lernaufgaben, so wir dann hinsehen wollen und können.

Es bedeutet immer wieder zu hinterfragen, Neues zu lernen und den eigenen Weg kritisch zu betrachten.

Gerade das scheint heute manchmal unbequem geworden zu sein.


Umdenken – Teil 4: Mehr Eigenverantwortung

Über die Gebührenordnung für Tierärzte kann man unterschiedlicher Meinung sein. Sie ist jedoch Realität. Deshalb lohnt sich vielleicht eine andere Frage:

Was können wir selbst tun, damit unsere Pferde möglichst gesund bleiben?

Wie sicher seid ihr beim Messen der PAT-Werte? Kennt ihr die Kräuter auf euren Weiden? Habt ihr euch einmal intensiv mit der Zusammensetzung eures Futters beschäftigt? Könnt ihr einen Verband anlegen, kleinere Wunden versorgen oder eine Lahmheit erkennen?

Und wie gut kennt ihr eigentlich die Psyche eures Pferdes? Stress, ungeeignete Haltung oder dauerhaft fehlende Sozialkontakte machen Pferde krank – manchmal sogar stärker als körperliche Belastungen.

Wer Grundlagen über Haltung, Fütterung, Verhalten und Gesundheitsvorsorge besitzt, kann viele Probleme früh erkennen und oftmals hohe Folgekosten vermeiden. Das bedeutet nicht, auf Tierärzte zu verzichten. Es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen.

Leider leben wir in einer Zeit, in der mit den Ängsten von Menschen gutes Geld verdient wird. Social Media ist voller vermeintlicher Patentlösungen, Wundermittel und Verkaufsstrategien. Nicht alles, was teuer ist, ist auch sinnvoll. Nicht alles, was modern ist, ist automatisch besser.


Mein Wunsch

Ich wünsche mir einen Pferdesport, der sich wieder stärker auf seine eigentlichen Werte besinnt.

Mehr Gemeinschaft. Mehr Wissen. Mehr Eigenverantwortung. Weniger Konsum. Mehr Nachhaltigkeit. Mehr echtes Horsemanship.

Vielleicht ist genau das der Weg, auf dem Pferdesport auch in Zukunft bezahlbar bleiben kann.

Nicht, weil alles günstiger wird.

Sondern weil wir lernen, klüger, bewusster und verantwortungsvoller mit unseren Ressourcen umzugehen. Denn gutes Reiten beginnt nicht im Sattel.Es beginnt im Kopf.

See and Feel.

 

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