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Zwischen Optimismus und täglichem Kleinkram

Oder sollte ich lieber täglichem Chaos sagen?

Heute ist wieder Hundesittertag. Ich passe zur Zeit einmal die Woche auf die Hündin meines Sohnes auf , sehr zur Freude von Paulinchen, meiner kleinen rumänischen Straßenhündin. Während die Hunde entspannt im Garten liegen, versuche ich meinen YouTube-Kanal für die nächsten Wochen zu planen und neue Blogbeiträge zu schreiben. Mittlerweile nimmt das erstaunlich viel Zeit in Anspruch. Dazwischen wird nach den Hunden geschaut, die Hausarbeit erledigt und das manchmal eher gemächliche Internet sorgt unfreiwillig für zusätzliche Pausen.

Und sonst?

In den letzten Wochen schwanke ich ständig zwischen diszipliniertem Vorankommen und einer Achterbahn aus positiven und negativen Erlebnissen. Vermutlich geht es vielen von uns so. Egal ob im Beruf, im Verein oder im Stall – das Miteinander scheint immer schwieriger zu werden.

Ich habe oft den Eindruck, dass viele Menschen vor allem eines möchten: gesehen werden. Das ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Problematisch wird es dort, wo dieses Bedürfnis wichtiger wird als Rücksicht, Respekt und Verantwortung.

Im Pferdesport trifft das leider oft nicht nur Menschen, sondern auch die Pferde. Da wird Druck aufgebaut, Macht ausgeübt und manchmal sogar Zwang als normales Trainingsmittel akzeptiert. Das Pferd soll funktionieren und sich dem menschlichen Ego anpassen.

Gerade erzählte mir eine junge Frau, dass selbst in ihrem Arbeitsumfeld Regeln kaum noch akzeptiert werden. Spricht man das an, fühlen sich viele sofort persönlich angegriffen. Mich beschäftigt die Frage, woher das kommt. Vielleicht haben wir verlernt, dass Freiheit immer auch Verantwortung bedeutet. Denn die eigene Freiheit endet dort, wo die Grenzen anderer überschritten werden.

Und genau diese Grenzen scheinen viele Menschen kaum noch wahrzunehmen.

Diese Gedanken begleiteten mich auch in einem langen Telefonat mit einer Bekannten. Sie hat beschlossen, den Reitsport aufzugeben und ihre Pferde zu verkaufen. Sie sagte einen Satz, der mir lange nachging:

„Ich bin froh, nicht mehr selbstständig im Pferdebereich zu sein. Ich halte diese Zustände in vielen Ställen einfach nicht mehr aus und habe offenbar zum richtigen Zeitpunkt aufgehört

Das hat mich traurig gemacht.

Denn eigentlich brauchen wir engagierte, gut ausgebildete Pferdemenschen heute mehr denn je. Nicht nur wegen der Pferde, sondern auch als Vorbilder für die nächste Generation. Pferde lehren Geduld, Verantwortungsbewusstsein, Rücksichtnahme und echtes Miteinander – Werte, die in unserer Gesellschaft manchmal verloren zu gehen scheinen.

Dann gab es aber auch einen schönen Moment.

Ein Interessent für einen Stallplatz meldete sich. Er erzählte, das er auf der Suche nach einem entspannten Umfeld für sich und seinen Wallach sei. Er sucht bewusst einen ruhigen, kleinen Stall, weil ihm der Stress in seinem bisherigen Umfeld zu viel geworden ist. Nicht nur für ihn selbst, sondern auch für sein Pferd. Er vermutet sogar, dass dieser dauerhafte Stress zur Erkrankung seines Pferdes beigetragen haben könnte.

Viele unterschätzen, wie sensibel Pferde auf ihre Umgebung reagieren. Sie spiegeln nicht nur die Emotionen ihrer Bezugsperson, sondern nehmen die gesamte Atmosphäre eines Stalles wahr. Nicht umsonst möchte ich jeden Pferdefreund einladen endlich einmal zu spüren, was um ihn oder sie herum eigentlich vorgeht…

Und während ich all diese Gespräche führe, frage ich mich manchmal selbst:

Warum mache ich das eigentlich noch?

Ich liebe Pferde. Daran hat sich nichts geändert.

Aber ich bin inzwischen Ü60. Eigentlich dürfte das Leben doch langsam etwas leichter werden.

Vielleicht genau deshalb habe ich meinen neuen YouTube-Kanal es darf leichter werden- Ü60“ gestartet. Dort geht es genau um diese Fragen: Wie gelingt ein freies, selbstbestimmtes Leben? Wie lassen wir alten Ballast los? Und wie können wir unseren eigenen Weg finden – mit Pferden oder auch ganz unabhängig davon?

Ich verlinke Euch den Kanal in der unter diesem Text.

Zum Glück gab es in dieser Woche auch weitere hoffnungsvolle Momente.

Eine Einstellerin wagt den Schritt in die Selbstständigkeit. Sie möchte vor allem jüngeren Kindern den Zugang zu Pferden ermöglichen. Das freut mich sehr. Es bringt Leben auf den Hof und stärkt genau den Optimismus, den ich trotz allem immer noch in mir trage.

Außerdem planen zwei weitere Einstellerinnen neue Wege. Natürlich blieb auch dabei die eine oder andere turbulente Stallgassengeschichte nicht aus.

Manchmal denke ich, dass man nirgendwo so viel über menschliche Psychologie lernen kann wie in einer Stallgemeinschaft. Besonders dann, wenn Menschen, Pferde und Betriebsleitung sich täglich begegnen und miteinander arbeiten.

Eine Stallgemeinschaft ist eben eine Zweckgemeinschaft, wo sehr unterschiedliche Menschen sich täglich begegnen müssen. Und manchmal miteinander auskommen sollten, auch wenn sie sich im normalen Leben gar nicht füreinander entscheiden würden.

Hier treffen Erwartungen, Gefühle, Ängste, Hoffnungen und manchmal auch Eitelkeiten aufeinander. Die besten Seiten eines Menschen werden sichtbar – leider aber auch die schwierigsten.

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Herausforderung.

Sich selbst immer wieder zu reflektieren und bei sich zu bleiben statt im Außen.

Grenzen zu respektieren.

Emotionen wahrzunehmen, ohne von ihnen gesteuert zu werden.

Genau das lernen wir übrigens auch von den Pferden, die ja Meister darin sind, völlig wertfrei im Hier und Jetzt zu bleiben. Und dort oft auch sehr viel Leiden aushalten müssen, weil sie nicht gesehen werden.

Pferdegerechter Umgang bedeutet lebenslanges Lernen. Es bedeutet, das eigene Ego immer wieder zu hinterfragen und bereit zu sein, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen.

Ich glaube nach wie vor fest daran, dass es immer einen anderen Weg gibt.

Man muss nur bereit sein, ihn zu suchen. Und den Mut aufbringen ihn dann auch zu gehen.

In diesem Sinne wünsche ich Euch eine gute Zeit. Ich freue mich jetzt auf einen neuen spannenden Tag mit Pferden und Menschen. Bis dahin „See and feel“

Meinen neuen Youtube – Kanal findet ihr hier:

https://www.youtube.com/@Esdarfleichterwerden

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