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Perspektiven für Pferdebetriebe T1

Seit Monaten lesen wir dieselben Schlagzeilen Die Pferdehaltung wird unbezahlbar und Reitschulen schließen. Die Vereine verlieren Mitglieder, das Ehrenamt wird kaum noch ausgeübt und der Nachwuchs fehlt.

Gut das es auch immer noch funktionierende Betriebe und Vereine gibt. Das stimmt mich optimistisch. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich:

Vielleicht erleben wir gar nicht die Krise des Pferdesports. Vielleicht erleben wir die Krise unserer Gesellschaft.

Denn Pferdebetriebe waren früher weit mehr als Orte, an denen Menschen reiten lernten. Sie waren Treffpunkte in denen Gemeinschaft, oft zwischen verschiedenen Generationen, gelebt und erlebt wurde
Sie waren Orte, an denen Kinder Verantwortung lernten, Erwachsene Freundschaften fanden und ältere Menschen ihre Erfahrung weitergaben.

Heute scheint vieles anders zu sein.

Immer mehr Konsum und weniger Werte (-vermittlung) sind auch in der Pferdewelt angekommen

Unsere Gesellschaft hat sich verändert.

Wir kaufen Dienstleistungen, und buchen Erlebnisse.
Für unser Geld erwarten wir eine perfekte Welt, ohne Wenn und Aber. Und manchmal auch mit einer gewissen Rücksichtslosigkeit ggü den Pferden und den Menschen. Wo wir wieder auf dem Egotrip einiger Menschen unterwegs wären.
Immer seltener kommt die Frage auf, wie kann ich selbst Teil dieser Gemeinschaft werden. Was kann ich selber an Energie und Zeit, Wissen und Ehrenamt investieren? Übrigens könnten so auch Kosten gesenkt werden. Schaut mal in meine anderen Blogartikel/Videos zum Thema.

Viele Pferdebetriebe funktionieren in erster Linie inzwischen wie Dienstleistungsunternehmen, an die manchmal schlicht unerfüllbare Erwartungen gestellt werden.

Der Betreiber organisiert. Der Trainer unterrichtet.
Der Kunde konsumiert.

Doch genau dieses Modell stößt inzwischen an seine Grenzen, auch wegen ständig steigender Kosten überall in unserem Leben.

Dabei könnten Pferdebetriebe soviel mehr sein:

Ein guter Pferdebetrieb verkauft nämlich nicht nur Reitstunden. Er schafft Begegnungen.

Zwischen Generationen und Menschen mit völlig unterschiedlichem Hintergrund.
Zwischen Kindern und Senioren. Zwischen Menschen mit und ohne Handicap.
Und ganz besonders zwischen Pferd und Mensch und Natur !!

Und genau darin liegt vielleicht seine größte Zukunft. Denken wir doch mal daran zurück, wie es in unserer Pferdevergangenheit war. Erst kürzlich wurde mir dazu ein Reel im Newsfeed bei Instagram angezeigt Dort berichtete eine bekannte Trainerin von ihrer Jugend im Reitverein und ich fand mich durchaus wieder. Klar war damals auch nicht alles perfekt und sollte deshalb heutzutage anders angegangen werden. Aber die ganz wesentlichen Punkte von Wertevermittlung, Wissensvermittlung und somit Pferdeverstand hätte ich persönlich gerne zurück. Und auch die Menschen, die neugierig darauf waren und bereit für Lernerfolge wirklich zu arbeiten, Zeit und Energie zu investieren und mal ein Buch zu lesen!

Das Pferd als sozialer Lehrer

Pferde interessieren sich nicht für Status. Nicht für Marken und nicht für Social Media.

Sie reagieren auf Ruhe, Klarheit und Ehrlichkeit
Und sind unsere besten Lehrer für ein Leben im Hier und Jetzt, im Innen und nicht im Außen.

Gerade deshalb werden sie in einer immer hektischeren Welt zu wertvollen Lehrmeistern.

Nicht nur im Reitsport, sondern auch und gerade für unser aller alltägliches Leben, wenn wir hinsehen und hineinfühlen lernen wollen. Und den Pferden und uns die Chance auf neue Erfahrungen geben.

Aufgaben der Zukunft

Vielleicht müssen wir Pferdebetriebe deshalb ganz neu denken lernen. Nicht nur als Pensionsstall oder Reitschule, Zuchtbetrieb oder Sportstätte.

Sondern als Bildungsort und als Begegnungsstätte für mehr Vielfalt. Oder als Naturraum und Ort für mentale und körperliche Gesundheit. Das Pferd oder Pony regt zB Kinder spielerisch zu sehr viel Bewegung an und motiviert Erwachsene mit ihm zu laufen und den eigenen Gedanken so Raum zu geben.

Als Ort, an dem Menschen wieder lernen können, Verantwortung zu übernehmen, und gute reflektierte Entscheidungen zu treffen.

Für Tiere und andere Menschen. Und somit auch für sich selbst

Haben wir Mut zur Veränderung? Mut aus dem „es war schon immer so“ Karussell herauszutreten? Mut neu denken zu lernen?

Natürlich kostet Veränderung Kraft und ist immer ein Weg, der gegangen werden will.

Veränderung verlangt neue Ideen, neue Kooperationen und neue Angebote Vielleicht muss man auch über neue Zielgruppen nachdenken und darf dabei gerne kreativ werden.

Veränderung eröffnet aber auch Chancen.

Denn der Wunsch nach echter Gemeinschaft, nach Natur, nach Entschleunigung und nach sinnvollen Freizeitangeboten war wahrscheinlich noch nie so groß wie heute.

Mein Wunsch

Ich wünsche mir Pferdebetriebe, in denen Kinder wieder mithelfen dürfen und auch wirklich wollen. Kinder, die Zeit im Stall haben dürfen, außerhalb ihrer Reitstunde.

In denen ältere Menschen ihr (Pferde-) Wissen weitergeben.

In denen Menschen mit Handicap selbstverständlich dazugehören.

In denen Ehrenamt wieder geschätzt wird.

Und in denen das Pferd nicht Mittel zum Zweck ist, sondern Partner.

Vielleicht ist genau das die Perspektive, die unsere Branche braucht.

Nicht größer, teurer, perfekter und lauter. Sondern einfach menschlicher. Und ja ich bin mir als Praktiker der täglichen Herausforderungen auf diesem Weg sehr bewusst, aber auch optimistisch Lösungen finden zu können. Ich möchte Euch einladen einmal mit mir gemeinsam in den Kommentaren darüber zu philosophieren.

Glaubst Du auch, dass wir weniger eine Krise des Pferdesports als vielmehr eine gesellschaftliche Krise erleben?

Welche Rolle sollten Pferdebetriebe Deiner Meinung nach in Zukunft übernehmen?

Über Rückmeldungen, eigene Ideen und Erfahrungen würde ich mich freuen.

Bis dahin – see and feel

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